Die Samaria-Schlucht auf Kreta und ein paar Überlebensstipps

Ihr Lieben,

wie ihr ja sicherlich schon mitbekommen habt, gibt es bei uns eine klare Rollenverteilung: Mein Liebster kommt auf bekloppte Ideen und ich werde gezwungen, diese mit auszuführen. Nach einigem Maulen und Meckern finde ich dann jedesmal so viel Spaß an der Idee, dass ich sie übertreibe weiterspinne und mein Liebster am Meckern und Maulen ist. Am Ende finden wir uns dann meistens auf dem höchsten Berg der Gegend wieder und erfreuen uns der schönen Aussicht. Ich hätte mir also durchaus denken können, dass es auch auf Kreta nicht anders sein wird.

Zuerst fing alles harmlos an. Zwar wollten wir auf ein paar Berge in der Umgebung, allerdings waren diese einfach nicht zugänglich, weil überall Privatgrundstücke waren – oh wie schade! Als wir dann in einem Shop ein paar Ausflüge buchen wollten (ich dachte an so etwas wie eine Eseltour oder eine Schifffahrt), erkundigte sich mein Liebster nach der Samaria-Schlucht, welche nur so nebenbei der größte Canyon Europas ist. Kann man ja mal machen.

Wir hatten schon in Berlin davon gelesen, allerdings stand in unserem Reiseführer, dass die Schlucht erst Mitte Mai geöffnet wird, da vorher die Gefahr durch herabfallende Steine zu hoch sei. Ganz kurzer Hoffnungsschimmer – Pustekuchen! So war unser Ausflug in die Samaria-Schlucht nach kürzester Zeit gebucht.


Die Tage davor vergingen viel zu schnell und ich hörte uns manchmal Sätze sagen wie „Was haben wir uns dabei nur gedacht“ oder „Das wird der Muskelkater unseres Lebens“. Ihr sehr also, die seelische Vorbereitung war schon top. Warum machte ich mir überhaupt Sorgen? War ja nur so, dass ich seit ca. 3 Monaten nicht mehr wirklich beim Sport war und es ging ja nur um 1.200 Höhenmeter und über 17 km Länge – ist doch ein Klacks!

Zu der Schlucht kommt ihr nur mit dem Reisebus, es ist also tatsächlich nötig, diesen Ausflug zu buchen, denn auf eigene Faust kommt ihr dort einfach nicht hin (es sei denn, ihr fahrt mit dem Auto und seid so verrückt, den ganzen Weg auch wieder zurück zu wandern – viel Spaß!). Schon die Fahrt mit dem Reisebus war – sagen wir mal so – interessant. Unser Busfahrer überholte verschiedene andere Busse, wobei er kurzzeitig mit dem Hinterteil über die Felswände hinaus ragte. Seitlich ging es mehrere hundert Meter steil in die Tiefe, sodass sich manche Personen im Bus umsetzen mussten – Höhenangst lässt grüßen. Garniert wurde die Busfahrt zur Samaria-Schlucht mit manch einer Vollbremsung – kann ja keiner ahnen, dass ständig Bergziegen auf die Straße hopsen. Kurz gesagt: Ich war froh, als wir an der Samaria-Schlucht ankamen und ich endlich aus dem Bus aussteigen konnte! Während alle anderen ihre Wanderstöcke und Wanderschuhe auspackten, ihr Gepäck prüften und an ihren GPS-Geräten herumspielten, begaben wir uns also frohen Mutes in unseren ausgelatschten Turnschuhen auf den Weg.


Die 1.200 Höhenmeter müssen auf den ersten 2,5 km überwunden werden, sodass ihr die ersten Kilometer nur irre steil bergab wandert. Die „Wanderwege“ sind steinig und sehr uneben, sodass man hier wirklich gut aufpassen muss. Und wer jetzt denkt, bergab wäre ja angenehm, der täuscht sich gewaltig, denn diese kurze Strecke war mit Abstand der anstrengendste Teil!

Auf den Bildern könnt ihr sehen, wie gigantisch die Samaria-Schlucht wirklich ist. Rechts und links gehen die Felswände hunderte Meter hoch in Richtung Himmel – ihr seht die Größe, wenn ihr die kleinen Menschen im Vergleich seht. Auf jedem der Bilder sind auch Menschen drauf – man muss sie nur gut suchen!

Die Landschaft verändert sich in der Samaria-Schlucht ständig. Mal läuft man in einem von riesigen Kieselsteinen übersäten Flussbett, mal durch einen Pinienwald, mal durch lockeres Geröll. Durch die Schlucht fließt ein Fluss mit Trinkwasser, sodass ihr jederzeit trinken könnt. Diesen Fluss muss man auch öfters überqueren – feste Schuhe sind also Gold wert!.


Auf dem letzten Bild stehe ich direkt in der Mitte der Schlucht – na, wer findet mich? Ganz genau, der kleine, schwarze Strich, das bin ich 😉 Die Samaria-Schlucht ist einfach atemberaubend und beim Durchwandern der Schlucht vergesst ihr alles andere. Perfekt, um mal so richtig abzuschalten und durch den ständigen Wechsel der Landschaft wird euch auch garantiert nicht langweilig. Es gibt allerdings einiges zu beachten:

Top -5 – Überlebensregeln für die Samaria-Schlucht auf Kreta:

1. Deckt euch unbedingt vorher mit etwas Proviant ein. Äpfel und Brote machen sich dafür besonders gut. Einmal in der Schlucht, gibt es erst wieder etwas zu kaufen, wenn ihr wirklich durch seid!

2. Nehmt nicht zu viel Getränke mit. Wir hatten 3 Liter dabei und eine 0,5l-Flasche hätte völlig ausgereicht, denn es gibt unzählige Quellen, wo ihr frisches Trinkwasser zapfen könnt.

3. Ihr dürft niemals, NIEMALS laut schreien! Es gibt in der Samaria-Schlucht viele Wildziegen und die Felswände sind sehr locker. Wenn ihr schreit, erschrecken sich die Ziegen, rennen los und es kommt zu Steinschlägen. Nicht so gut!

4. Auch wenn es sehr verlockend ist: Zieht niemals eure Schuhe aus, um die Füße im Fluss abzukühlen. Erstens trinken andere Leute aus dem Fluss und zweitens werden eure Füße so sehr anschwellen, dass ihr die Schuhe einige Zeit nicht wieder anbekommt!! Auch nicht so gut.

5. Lasst euch von dem professionellen Wanderkrams der Mitwanderer nicht einschüchtern. Die Samaria-Schlucht ist zwar eine anspruchsvolle Strecke, aber sie ist wirklich machbar und im absoluten Notfall gibt es Esel, die euch heil aus der Schlucht tragen (mit Betonung auf „absoluter Notfall“, denn nur, weil man keine Lust mehr hat oder erschöpft ist zählt hier nicht!).


Unser Reiseführer hatte für die Durchwanderung 6-8h angesetzt, was allerdings leicht übertrieben ist. Wir haben 4,5 h gebraucht, die meisten unserer Mitwanderer waren nach ca. 5-6h fertig.

Das Schönste ist natürlich das Erreichen des kleinen Fischerdorfes Aghia Roumeli am Ende der Schlucht und das Baden am fast menschenleeren Strand des Dorfes, welches noch so ursprünglich aussieht, obwohl es sich voll und ganz auf die Wanderer eingestellt hat und mit kleinen Restaurants und Souvenirgeschäften lockt.


Puuh, nach der langen Wanderung durch die Samaria-Schlucht freuten wir uns riesig auf das kristallklare Meer und gingen ausgiebig schwimmen. Danach gönnten wir uns einen leckeren Gyros in Pita, legten die Beine hoch und entspannten auf ein paar Steinbrocken, die am Meer lagen, bis uns am Abend ein Schiff in den nächsten Ort brachte (ca. 1h – so bekam ich also doch noch eine Schifffahrt), von wo uns die Reisebusse wieder abholten und noch einige Stunden bis zu unserem Hotel fuhren.

Dass wir uns am nächsten Tag kaum mehr bewegen konnten vor Muskelkater brauche ich euch vermutlich nicht erzählen. Aber die Samaria-Schlucht auf Kreta ist ein so unvergessliches Ereignis, das müsst ihr unbedingt erlebt haben!!

Vielleicht wart ihr ja sogar schon dort oder habt noch ein anderes „Must-See“ für Kreta? Dann freue ich mich über ein Kommentar!

2 comments

  1. Anonymous says:

    Hi Michelle, Dein Schreibstil ist mal wieder zum Piepen! 😀 habe oft gelacht! 😀
    Deine Fotos aus Kreta sind super schön geworden und die Beschreibung der Wanderung sehr interessant!
    Da kommt noch mehr Vorfreude auf den Sommerurlaub nach Italien demnächst auf!!
    Danke für den schönen Blog und liebe Grüße, Nina

    • Michelle Allez-Vite says:

      Liebe Nina, vieeelen Dank für deinen süßen Kommentar!! Ea freut mich riesig, wenn dir der Post und der Blog gefällt :-)) Ich wünsche dir viel Spaß in Italien – da war ich noch nie. Schreib mir gerne, wie es war – Urlaubsinspiration ist ja immer so toll. Vielleicht fahre ich dann im Sommer auch nochmal spontan nach Italien, hehe! Liebe Grüße, Michelle

Hinterlasse eine Antwort


*